Unnütze Erfindungen und viel zu wenig Zeit.


Hi Leute,

mir ist in der letzten Zeit etwas aufgefallen: Der Fortschritt stockt. Es gibt kaum noch Erfindungen, die uns wirklich voranbringen. Kaum noch revolutionäre Ideen. Ich glaube, es endete mit dem Internet.
Ich habe da in den letzten Monaten Dinge erlebt, die mich auf diesen Gedanken gebracht haben. Ist wieder ein sehr großes Thema, das ich in einem Blogeintrag nur anreißen kann, zum Diskutieren und Selberdenken, aber ich geben mir Mühe!

Ich habe mir vor einigen Monaten einen gebrauchten Passat zugelegt, mit einigem elektronischen Schnickschnack, den ich mir ja nun mal nicht selber aussuchen konnte. Aber der Verkäufer hat sie mir als Innovationen verkauft, die das Fahrgefühl auf eine neue Ebene usw. … Das sei alles so toll, und so viel besser, und überhaupt DIE Erfindung, seit das Rad erfunden wurde.
Gut, dachte ich, probierst Du’s aus. Nun fahre ich das Auto seit 6 Monaten, und keine dieser Erfindungen hat mich wirklich überzeugt:

  • Da ist schonmal die elektronische Handbremse. Hat Vorteile am hang beim Anfahren, da man sie nicht lösen muss, sobald man Gas gibt, löst die wsich von selbst. Aber bitte: Brauche ich einen Elektromotor zum anziehen der Handbremse? Was mache ich denn, wenn der kaputt ist? Mein Arm und eine simple Hebelmechanik gehen ja wohl deutlich seltener kaputt als so ein elektronisches Spielzeug.
  • Dann der vollelektronisch abblendende Rückspiegel: Auch da ein Vorteil: Man sieht im dunklen am Ende hinten raus besser. Aber bis der abgeblendet hat (ein Vergleich der Helligkeit zwischen einer Kamera unter dem Spiegel und der nach vorne für den Regensensor), hat einen der Audi schon für 5 Minuten erblinden lassen. Wofür brauche ich denn den Mist? Was war denn gegen die gute, alte Klappmechanik einzuwenden? Da hatte ich wenigstens selbst in der Hand, wann ich abblenden wollte. Und auch da kann im Prinzip nichts kaputt gehen, heute aber eine Kamera und die komischen Teilchen, die da den Spiegel einfärben etc.
  • Der große Hit ist aber der Regensensor selbst. Da gibt es am Blinkerhebel einen kleineren Hebel, mit dem ich die Empfindlichkeit von dem blöden Sensor regeln kann. Damit der nicht ganz so panisch wischt, sobald ein Tropfen die Scheibe über dieser Kamera berührt. Denn der Sensor funktioniert nur anstelle der alten Intervallschaltung, und wischt dann eben automatisch, sobald die Scheibe nass ist. Nur: Wenn Spritzwasser draufkommt, und nicht bis auf die Kamera reicht, dann macht der gar nichts. Und dann muss ich immer erst den Hebel zweimal bewegen, damit der einmal wischt. Und ich kann eben kein Intervall einstellen, das Auto gibt mir nur die Wahl zwischen Sensor, schnell oder ganz aus. Kein Intervall. Was wäre denn so schwer daran gewesen, au diesen Sensor zu verzichten, und stattdessen ein ordentlich einstellbares Intervall einzubauen? Da hätte ich mehr von. Trauen die in Wolfsburg mir das nicht zu, oder was?

Zu dem Thema gehört auch das Sparkassenkonto meiner Frau. Jahre lang ein einfaches Konto gewesen. Internetbanking, Geldabheben, und ein wenig Überweisungen Und plötzlich kommt Post. Man hätte da ein neues Konzept, total die Innovation, mit noch mehr Service (nur nicht am Telefon oder am Schalter) noch mehr Möglichkeiten (solange man es im Internet selbst macht) und jetzt auch mit Flatrate und so weiter. Nur: Schon das einfache Paket (mit Mehr Inhalt, na klar) kostet monatlich deutlich mehr als das ursprüngliche Konto. Und die Flatrates sind gleich richtig teuer. Ohne muss man aber ab der 5. Kontobewegung extrageld bezahlen. Am Ende ist das nämlich so: Die ganzen Innovationen sind quatsch, und werden von den Kunden auch gar nicht gebutzt/gebraucht. Das einzige was zählt: Bei normaler Nutzung des Kontos kriegt die Bank mehr Geld, und es können Servicemitarbeiter eingespart werden. Das ist am Ende der trick. Und die glauben auch noch, mir das als Innovation und Verbesserung des Service verkaufen zu können. Ja halten die mich für bescheuert?


Noch so ein Fall:
Rapidshare. Die Anti-Waiting-Company.
Lest Euch das mal durch. So ein Unfug. Anstatt einfach hinzuschreiben, das man den kostenlosen Service nur erschwert, damit die Leute das Produkt kaufen, wird da einfach was erfunden, was irgendwie toll klingt. Als ob wir nicht wüssten, das man nur warten muss, weil sie einen warten lassen (was ja ok ist, sie wollen ein Produkt verkaufen). Ich hasse es, angelogen oder verarscht zu werden.
„Da Sie uns kein Geld bezahlen, machen wir Ihnen das Leben so schwer wie möglich, ohne Ihnen den Service vorzuenthalten, damit Sie immer noch sehen können, wozu wir bei Bezahlung im Stande wären! Enjoy!“


So. Das war jetzt der Opener zum eigentlichen Thema. Wie komme ich jetzt dahin. So wie es unnütze Erfindungen gibt, mit denen die Wirtschaft uns Innovation und Fortschritt vorgaukelt, gibt es ja auch Neuentwicklungen, die unser Verhalten tatsächlich verändern, und die neue Märkte schaffen. Worauf will ich hinaus?
Die Filmindustrie beklagt sich zum Beispiel im letzten Jahr über zurückgegangene Zuschauerzahlen im Kino und weniger DVD-Verkäufe. Aber am Ende haben sie nur knapp weniger Geld verdient als 2009, weil Sie über 3D und Blu-Ray, Dinge die wenig Mehrwert innehaben (und vor allem die Filme nicht besser machen), einfach mehr Geld eingenommen haben, weil sie teurer sind, denn sie sind ja neu. Auch Verleger beschweren sich: Zeitungen sterben, und Bücher werden auch weniger gekauft, nur diese komischen Biographien und das Geseier vom Sarrazin und so.
Woran könnte das nur liegen? Dabei sind doch so viele tolle neue Dinge auf dem Markt? Interessiert das denn keinen? Doch, aber das reicht nicht. Und das haben die Herren Manager nicht verstanden. Denn schlechte Filme werden durch 3D nicht besser, und das haben die Zuschauer kapiert. Genauso wie immer dieselbe dumme Werbung für irgendwelche generischen romantischen Komödien wohl niemanden außer den Managern mehr ins Kino lockt. Ich denke, da liegt ein Fehler: Der Zuschauer wird mit immer demselben Kram für dumm verkauft. Anstatt sich wirklich was neues auszudenken wird immer derselbe Mist produziert, Fortsetzung über Fortsetzung, und nichts Neues passiert. Sicher gibt es auch gute Fortsetzungen, in denen man die alten Helden wieder sieht, auf die man sich sogar freut (Indiana Jones, scheiß auf die Handlung!). Aber gerade in den USA wollen die Leute scheinbar immer was Neues. Und dass das geht haben ja Filme wie Inception und Black Swan bewiesen!

Das Hauptproblem aber:
Unsere Zeit ist einfach endlich!
Das ist es nämlich, was diese ganzen Unterhaltungsindustrien vergessen. In den Industrienationen ist ja gar nicht mehr das Geld das Problem, oder der Wille, es auszugeben. Es ist vielmehr ein Zeitproblem. Denn wenn die Computerspieleindustrie mehr Spiele verkauft, dann hat das natürlich zur Folge, das weniger Leute ins Kino gehen (vor allem, wenn da die Preise so sehr steigen, das man sich DAS dann tatsächlich nicht mehr so oft leisten kann). Wenn mehr Wiis und Playstations verkauft werden, dann leidet natürlich der Absatz von PC-Spielen und PCs. Denn wir haben nun mal am Tag nur ca. 4 Stunden Freizeit, und die können wir nicht mit Facebook, PC und Kino verbringen.
Wenn diese Industrien tatsächlich behaupten, das illegale Downloads ihr Problem seien, dann stimmt das einfach nicht.
Natürlich werden mittlerweile mehr CDs, DVDs und Computerspiele runtergeladen, auch illegal runtergeladen. Klar. Aber das Angebot ist auch einfach so unendlich groß. Und kein Mensch, den ich kenne, wird ein Album seiner Lieblingsband runterladen. Nein, wird alles gekauft. Und gute Filme lädt auch niemand runter. Aber Sachen, die man sich gar nicht kaufen will, die werden dann schon mal runtergeladen, um mal einen Blick (ein Ohr) draufzuwerfen. Wenn’s gut ist, dann kauft man es im Zweifelsfalle trotzdem.
Bei der Qualität, die heute geboten wird teilweise, da MUSS man sich ja fast vorher informieren, bevor man das Geld ausgibt.
Und da gilt übrigens auch für die Musikindustrie, dass sie in Konkurrenz zu allen anderen Industrien steht. Denn für Musik habe ich während PC-Spielen (und das ist das Wachstumssegment im Moment) keine Zeit.
Ich meine, früher habe ich Musik im Laden angehört, und sie einfaach nicht gekauft, wenn sie mir nicht gefiel. Filme, die mir für’s Kino zu schade waren, wurden auf DVD geschaut, bei schlechten Kritiken wurde auf den Fernseher gewartet, wir hatten ja auch einen Videorekorder. Da ist kein Schaden entstanden. So wie heute durch illegale Downloads kein Schaden entsteht. Es entstehen weniger Einnahmen, aber qualitativ hochwertige Produkte lassen sich immer noch sehr gut verkaufen. Und die Gesamtsumme, die ausgegeben wird, die steigt an. Nur verteilt sie sich über immer mehr Segmente.
Habt Ihr Euch nie gefragt, warum zu Zeiten der Kurzarbeit in Europa die Wirtschaft am Ende nicht gar so sehr gelitten hat? Weil die Leute mehr Zeit hatten für Konsum. So makaber das klingt, mehr Zeit bedingt mehr Einkäufe, man muss sich ja beschäftigen. Keine großen Anschaffungen, denn da wurde, zu recht und aus der Not heraus, gespart, aber kleine Anschaffungen, DVDs, Kino, PC-Spiele, Musik und auch andere Hobbies, ja die wurden weiter gekauft.
Ich weiß immer gar nicht, wie diese Wirtschaftsmenschen da auf ihre Statistiken und ihr Gejammer kommen. Es ist halt eben nicht so, dass die Wirtschaft lahmt und der Konsum stockt. Er verteilt sich nur, und wenn du mehr vom Kuchen willst, dann sorge für ein besseres, einfacheres, für den Kunden brauchbareres Produkt. Der Konsum wird folgen.

Schaut Euch das IPad an. Bedarf? Zipp!!!!!
Aber kaufen tun die Leute es trotzdem. Es ist schweineteuer, es kann kaum was, aber es wird gekauft. Warum?

  • 1. Das Produkt ist von Apple. Apple ist cool. Also muss man es haben. – Mach’ Deine Firma cool, und Du verkaufst Produkt.
  • 2. Funktioniert das Ding. Das was es können soll, kann es perfekt. – Produziere gute Produkte, die das können, was der Käufer davon erwartet. Und das dann gut.
  • 3. Apple behauptet nur beim IPhone 4 Dinge, die das Produkt nicht kann (telefonieren). Also vertrauen die Käufer, und sie werden fast nie enttäuscht – Lüge Deine Konsumenten nicht an. (Wobei damit der gute Steve ja in der letzten Zeit etwas Probleme hatte…)
  • 4. Das IPad ist wahnsinnig benutzerfreundlich. Wenn man irgendwann im Leben mal was mit Handys der einem PC zu tun hatte, kann man es einfach benutzen. – Mach’ Dein Produkt einfach zu verstehen und zu bedienen!
  • Das sollten einfach die Regeln sein für die Verkäufer und Produzenten. Für Filmemacher (oder die Distributionsfirmen) sollten ebenfalls Regeln gelten. Schon mal bei Boxofficemojo reingeschaut? Die schauen sich die Trailer der Filme an, und schreiben schon in der Vorschau, das die Trailer Scheiße waren, und warum. Monate im Voraus. Und wisst Ihr was? Am Ende haben sie meist recht. Wenn ein Film dann gefloppt ist, und Marktforschung betrieben wird, warum, kommt meist raus: Thema doof, Werbung doof, wollte dann keiner sehen. Und da werden immer wieder dieselben Fehler gemacht: Es wird sich auf dem Schauspieler ausgeruht, es werden blöde Witze gezeigt, dabei ist ganz klar: Coolness, Effekte, Story (was für eine Geschichte wird erzählt, und warum ist sie spannend) und herausragende Szenen der Schauspieler. Voila, guter Trailer.
    Der Hauptaugenmerk sollte aber auf der Story und dem guten Bösewicht liegen. Oder der hübschen Frau 😉

    Naja, ich glaube, das reicht jetzt auch erstmal wieder. Ich schaue mir, weil ich gerade Urlaub habe, jetzt erstmal wieder einen Haufen weniger guter Filme auf DVD an, die ich von einem Videotheksausverkauf habe. 3 Euro sagt man nicht nein. Denn auf Englisch sollte man gerade Filme wie The Kings Speech (der tatsächlich sehr gut ist!) schon anschauen, wenn man der Sprache mächtig ist.

    Bis Denn dann, Euer Teardrop.


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Über thundla
Arzt und Querdenker.

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