Erschöpfung


Lang lebe der liebe Leser!

Oder so.

Es mag so aussehen, als hätte mich ein neuentdeckter Fleiß ergriffen, dem ist aber nur bedingt so. Der folgende Text ist etwas älter, und bisher hatte ich irgendwie nie die Muse, ihn zu veröffentlichen. Ihr werdet es vielleicht verstehen. Im letzten Text habe ich das Problem angedeutet, damals schon hatte ich drüber geschrieben. Es gibt da noch ein paar weitere Texte auf Halde, teilweise fertig, andere nur angefangen. Irgendwie hatte ich eher Schreibverstopfung als Schreibblockade. Aber im Moment scheint die Energie da zu sein, es geht also was!
Und dieses Facebook sollte ich echt mal verklagen, diese Minispiele halten einen verdammt noch mal vom Leben ab Und diese komischen Ruderzwillinge haben das ja auch hingekriegt, oder?. Abgehen davon ist der Film ganz klasse.

Kommen wir also zu meinem etwas angestaubten aber immer noch aktuellen Artikel:


Ich bin erschöpft. Warum, weiß ich nicht. Aber drüber schreiben muss ich. Es wird ein eher persönlicher Eintrag, wer’s nicht lesen möchte, der darf gerne beim nächsten Eintrag wiederkommen, aber ich muss das mal von der Seele kriegen.

Ich bin erschöpft. Nun war es immer schon so, dass mein Vater von mir behauptet hat, ich hätte die Faulheit erfunden. Ich habe das immer anders gesehen, aber da war mit ihm nicht drüber zu diskutieren. Und mir war es egal, denn meinen Weg habe ich gemacht, auch ohne von ihm das Prädikat „besonders fleißig“ erhalten zu haben.

Ich muss allerdings zugeben, schon immer eher auf der Seite der Aufwandsoptimierer gestanden zu haben. Arbeiten ja, gerne, auch in der Freizeit Dinge immer wieder mit vollem Eifer verfolgen, aber immer Aufwandseffizient. Für viele in der älteren Generation, oft Perfektionisten und absolute Optimierer, ein unverständliches Verhalten. 80% Ergebnis bei 60% Aufwand ist für die inakzeptabel, wenn man mit 100% Aufwand auch 100% Ergebnis erreicht.

Nun arbeite ich seit einiger Zeit in meinem Beruf im Krankenhaus. Studium zählt ja nicht, ich weiß. Obwohl man da auch Durchhaltevermögen und Fleiß braucht.
Und bisher hatte ich mit meiner Arbeit keine Probleme, was die Belastung angeht. Ist viel, ist hart, aber ich packe das. Auch Überstunden und Nachtarbeit und Wochenenddienste sind eigentlich drin. Ich halte die durch, lasse für die Kollegen nichts liegen, erfülle die Wünsche meiner Patienten, solange sie medizinisch Sinn machen und bin in meiner Arbeitsweise recht geordnet. Mein Vater würde da wahrscheinlich auch noch ganze Toupets in der Suppe finden, aber was soll’s.

Worum es mir geht ist das Drumherum: Als Schule noch vornehmlich für die Verabredungen genutzt werden konnte, da hatte ich Abends viel Kraft für Hobbies und andere Dinge. Auch während des Studiums. Aber heute? Wenn ich frei habe (und ja, auch wir Ärzte haben mal Freizeit, wenn einer was anderes behauptet, dann lügt er), dann bin ich extremstens abgeschlafft. Häufig erstmal Kopfschmerzen am Beginn der freien Zeit, und Kraft für Dinge, die mir früher viel Freude bereitet haben ist vollständig Fehlanzeige. Filme schauen, ja, aber Hobbies? Sport? Selbst Bloggen fällt oft schwer (wie aufgefallen).

Ich verstehe das nicht. Nimmt einem der Beruf tatsächlich so viel Kraft? Habt Ihr da Erfahrungen mit gemacht? Ich bewundere andere Menschen total, die nebenher regelmäßig Musikinstrumente spielen, Sport machen oder anderen Hobbies nachgehen. Bei mir ist das an sich schwieriger, da ich häufig Schichtdienst habe (Nacht- und Spätdienste), sodass immer wieder mal abendliche Beschäftigungen ausfallen müssen. Aber am Ende ist es an den Abenden, an denen ich Zeit hätte, doch immer wieder so, dass das passive Berieseln durch den Fernseher (oder eben das hirnlose Beschäftigen mit Minispielen auf dem Computer) gewinnt, zumindest gegenüber dem aktiven Sport machen, oder dem Aufräumen des Hobbyraumes mit wegsortieren der dort herumfliegenden Sammelkarten. Gibt es da einen Trick, mit dem man sich motivieren kann? Mit dem man Energie zurückgewinnt? Ich bin ja am Ende noch gegen einen Urlaub im Süden, weil mir die Anreise zu stressig erscheint!
Wie gesagt, Dinge, die sein müssen, die werden schon erledigt, Behördengänge, Pflichten im Krankenhaus, zusätzliche Fortbildungen, auch lesen der Zeitschriften, um sich weiterzubilden, alles kein Thema. Aber was darüber hinausgeht…

Das soll ja auch gar kein Gejammer darstellen. Am Ende fühle ich mich mit meinem Leben ja eigentlich ganz wohl (da liegt wahrscheinlich das Problem), aber manchmal würde ich gerne mehr machen. Nur die Kraft fehlt eben.

Für’s Bloggen hat es ja mal wieder gereicht, auch wenn der Eintrag eher kurz geworden ist. Vielleicht schreibt Ihr mal, was Ihr da so macht, um Euch aus Tiefs wieder raus zu ziehen.

Ich werde mich in Zukunft wieder um kürzere Blogabstände bemühen…

Bis Denn dann, Euer Teardrop.


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Über thundla
Arzt und Querdenker.

5 Responses to Erschöpfung

  1. Mein erster Gedanke war: Geh doch zu einem Arzt!

    Mein zweiter: Nicht nur in diesem Eintrag vermittelst du den Eindruck, dass du mit deinem Beruf nicht wirklich zufrieden bist. Nicht unglücklich, wohlgemerkt – aber eben auch nicht glücklich. Man erhält nicht den Eindruck, dass du das machst, was du WILLST, sondern das, von dem du denkst, dass es halt das Richtige für dich sein muss. Lies mal über deine berufsbezogenen Einträge noch mal drüber – Begeisterung darüber, endlich in dem Beruf, für den man jahrelang studiert hat zu arbeiten, sieht anders aus!

    Nun kannst du natürlich sagen: Da liest jemand ein paar Blog-Einträge von mir und versucht mich zu analysieren! Aber was sonst erwartest du, wenn du auf deinem Blog diese Frage stellst?

    Eines will ich aber noch anmerken: Ich ziehe die 100% Aufwand für 100% Ergebnis eindeutig vor – ganz besonders, wenn es sich bei dem Ergebnis um meine Gesundheit handelt, Herr Doktor!

    • thundla says:

      Nein, da hast Du mich jetzt wirklich falsch verstanden!

      Ich arbeite wahnsinnig gerne in meinem Job und bin damit sehr glücklich.
      Mit einigen Umständen, die damit zu tun haben, nicht, aber das liegt eigentlich nicht am Beruf, sondern an Sparzwängen oder einer falschen Erwartungshaltung anderer.

      Und natürlich, sowohl weil es meine Pflicht ist, als auch, weil es eben um die Gesundheit anderer Menschen geht, gebe ich im Beruf immer 100%.
      Nur reicht dann eben die Energie nicht mehr für die nicht so wichtigen Dinge, die mich selbst betreffen.

      Im Job nicht 100% geben, da hast Du recht, darf bei einem Arzt nicht sein.

  2. atog28 says:

    An die „Energielosigkeit“ gewöhnst du dich mit der Zeit. Und es ist auch klar, denn die Energie ist im Fluss und es ist ein Zeichen, dass sie in deiner Arbeit aufgeht.

    Ich möchte ausserdem, das Ärzte (aber auch Piloten oder Bäckereifachverkäufer) eine Freizeit haben. Auf überarbeitete Leute kann man nicht bauen (Work-Life-Balance).

  3. Olaf says:

    Siehst Du, hab Dich hier nur aufgrund Deines Kommentars bei zeromant gefunden. So geht eben jeder seiner Wege.
    Nur die Erfahrungen sind ähnlich. Frag mal den AP, für den hab ich noch zwei halbfertige Programme auf der Festplatte. Bei soetwas bin ich halt immer total motiviert, sobald es eine harte Nuß zu knacken gibt. Ist diese erst geknackt, hat man zwar schon 80% des Weges zurückgelegt aber dann ruft eben Spider Solitär. Und mit jedem %, was man sich dann noch abquält, wird der Ruf unwiderstehlicher. Am Ende prokrastiniert man dann wieder Abend für Abend vor sich hin. Geht den Menschen wie den Leuten.
    Ich glaube, das wirklich einzige Mittel dagegen sind andere Menschen. Wenn man zu dritt, viert oder noch mehr ist, dann kriegt man sicher auch abends noch was auf die Reihe. Chor oder Spieleabend etwa funktioniert.

  4. atog28 says:

    Chor funktioniert? Bei mir nicht… 😉

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