Redefreiheit und wer eine Firma ist


Guten Tag.

Ich melde mich mal wieder, nachdem der Laden hier lange brachgelegen hat. Tut mir sehr leid, aber der Job und Facebook-Minispiele rauben mir gerade einfach die Energie, die ich zum Schreiben brauche. Das mit den Minispielen sollte ich ändern, glaube ich!
Abgesehen davon hat mich auch ein wenig die Realität der Politik eingeholt. Ich habe einfach ein paar Windmühlen erkannt, und mich gegen den Kampf entschieden. Aber heute habe ich tatsächlich mal wieder die Lust verspürt, mich zu ergießen, also bitte:

Jetzt habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, das Mercedes eine Gruppe bei Facebook hat auflösen lassen, und alle, die auf „like“ geklickt hatten erstmal zum rügen in die Personalabteilung einbestellt hatte.
in dieser Gruppe war die Spitze des Magagements als Lügner im Zusammenhang mit Stuttgart 21 bezeichnet worden.


Viele Diskussionen sind darum entstanden, darunter auch am Morgen im Radio bei SWR3. Viele Hörer hatten bedenken, inwieweit das nicht die Redefreiheit einschränkt. Sicherlich ist Zensur immer kritisch zu werten, aber ich denke, hier haben wir es doch mit einer Verleumdung zu tun, denn der Begriff „Lügner“ ist klar negativ besetzt und wohl nicht hinreichend belegt. Insofern würde ich mir hier um die Redefreiheit, auch in der Freizeit und ausserhalb des Berufs keine Sorgen machen. Denn Facebook ist ja schon ein öffentlicher Raum.

Allerdings habe ich mit der Einbestellung in die Personalabteilung ein Problem, denn das geht meiner Ansicht nach zu weit. Entweder es reicht für eine Anklage, oder man lässt es eben auf sich beruhen, vor allem wenn man bedenkt, dass man mit dem „like“ ja nur der Meinung eines Anderen grundsätzlich zustimmt.

Insofern handelt es sich damit wohl kaum um ein Vergehen, das auf der Arbeitsstelle weiterverfolgt werden müsste. Denn damit würde ja der Beruf wieder mit der Freizeit vermischt, und das nicht mal von den Angestellten selbst.

Was mich aber am meisten gewundert hat: Viele stimmten diesem Vorgehen zu.
Mit ganz verschiedenen Argumenten.
Einer sagte: „Wenn man den Chef nicht leiden kann, dann muss man eben kündigen.“ Er hätte auch mal in einer Firma gearbeitet, bei der ihm der Chef nicht gepasst habe, da wäre er eben gegangen.
Die Moderatorin meinte: „Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing!“
Und ein Anderer sagte: „Die bezahlen die Leute, da müssen sie nichts Schlechtes über sie erzählen!“

Und genau mit diesen Meinungen habe ich so meine Probleme. Grundsätzlich ist es richtig, dass, wenn einem der Besitzer einer kleinen Firma und damit der Chef nicht passt, man eben kündigen muss. Geht nichts dran vorbei.
Aber ist das hier der Fall?
Ebenso die Aussage mit der Bezahlung. Die ist nämlich schlicht falsch. Kein Angestellter bei Mercedes wird vom Topmanagement bezahlt. Die sind nämlich auch nur ANGESTELLTE bei Mercedes, einer Aktiengesellschaft. Im Prinzip arbeiten alle für die Aktionäre.

Und da kommen wir dann zum eigentlichen Problem: Das nämlich die Topmanager mittlerweile denken, die Leute arbeiteten für SIE. Und nicht mehr für die Firma. Was sie dabei vor allem vergessen: Das auch sie FÜR die Firma arbeiten, und mitnichten die Firma selbst sind. Auch diese Herren sind ersetzbar, auch diese sollten ihr eigenes Wohl der Firma und deren Wohlergehen zumindest berufstechnisch unterordnen.
Wie man an den meisten Bonusschecks sehen kann, ist dieser Gedanke da aber in extrem weite Ferne gerückt.
Am Ende ist es wohl am besten, wenn eine oder mehrere Personen wie die Topmanager von Daimler, die ja in Bezug auf Stuttgart 21 durchaus offensiv an die Öffentlichkeit gegangen waren, ein wenig dickhäutiger würden und einfach für die Schließung der Gruppe sorgen und dann die Sache auf sich beruhen lassen.
Gleichzeitig können sie sich dann noch Gedanken über ihre Stellung in der Firma und in der Gesellschaft machen, und ein paar Gänge zurückschalten mit ihrem Ego.

Nur meine 2 Cents.

Bis Denn dann, Euer Teardrop.

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Über thundla
Arzt und Querdenker.

2 Responses to Redefreiheit und wer eine Firma ist

  1. Emotional stimme ich dir ja zu – aber stellen wir uns doch den umgekehrten Fall vor: Die Topmanager von Mercedes treffen sich mit den Topmanagern einiger anderen Firmen irgendwo in einem öffentlichen Raum. Plötzlich sagt irgendjemand: „Also, unsere Arbeiter sind ja so etwas von faul und pflichtvergessen…“ Und die Mercedes-Manager grinsen und sagen: „Das kennen wir!“

    …wäre das in Ordnung?

    Man kann nicht sagen, wer sich negativ über Angestellte einer Firma äußert, der äußert sich nicht negativ über die Frima. Das stimmt einfach nicht, denn die Firma besteht nun einmal aus ihren Angestellten. Gerade bei Managern auf der höchsten Ebene ist offensichtlich der Zusammenhang zwischen ihrem Image und dem der Firma besonders hoch.

    Ob man jetzt das Drücken eines „Like“-Buttons von Firmenseite her sanktionieren muss, das ist eine andere Frage. Dass aber generell einer Firma nicht zugemutet werden kann, Arbeitnehmer zu beschäftigen, die sich öffentlich negativ über diese Firma (oder eben über deren Angestellte) äußern, ist prinzipiell wohl auch klar.

    Übrigens ist es naiv anzunehmen, dass man „halt kündigen muss“, wenn einem sein Chef oder irgendetwas anderes an der Firma, die einen beschäftigt, nicht passt. Es befindet sich nämlich beileibe nicht jeder in der Situation, dass er dann sofort einen neuen Arbeitsplatz finden kann. Und ein noch so großes Arschloch als Chef, oder auch eine Firma mit noch so widerwärtigem Geschäftsgebaren bedingen keine „unzumutbare“ Tätigkeit, so dass die Alternative für jemanden, der in einer Firma nicht arebietn will, häufig nicht etwa ALG 2, sondern sogar KEIN (oder vermindertes) ALG 2 bedeutet.

  2. thundla says:

    Na klar ist eine Kündigung nicht einfach so zu machen. Schon recht.

    Aber mir ging es eben um die Kommentare der Leute, die zwischen Top-Manager und Besitzer der Firma und damit Geldgeber so gar nicht unterscheiden.

    Debb der Manager ist eben NICHT der Arbeitgeber!

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