Anekdote 3 – Schon wieder Stuhlgang…

Hallo Leute.

Heute bin ich tatsächlich sehr proliferativ.Meine Ausscheidung ist quasi sehr hoch.
Gerade grassiert der EHEC (da auch!), darum dachte ich, ich hänge mich da thematisch mal wieder mit dran.

Ich hatte mal wieder Nachtdienst.
Und wie so oft, um 01.00 Uhr Nachts kam der Fall, der schwere.
Vor mir steht ein junger Mann, zusammen mit seiner halben Familie.
Er hätte so Bauschmerzen. Rechts und links und insgesamt einfach überall, und das schon seit einigen Stunden, und den Blinddarm hätte er ja auch noch, und es ginge ihm so schlecht und ich solle ihm doch helfen.
Ob er denn was Schlimmes hätte, sollte ich ihm sagen.

Ich fing also mit meiner Routine an. Blutentnahme (um Entzündungszeichen zu sehen), Vitalzeichen kotrollieren und meine körperlich Untersuchung. Dabei zeigte sich schon, das er durchaus einen Druckschmerzhaften Punkt über dem Darm auf der rechten Seite hat, da sitzt ja auch der Blinddarm. Aber eigentlich war der Mann für eine Blinddarmentzündung einfach zu fit!
Aber er litt stark und wollte das unbedingt geklärt haben.
Also ein Ultraschall.
Der zeigte aber nicht wirklich was herausragendes, außer, dass der Darm wirklich extrem gefüllt war und einige Luft enthielt, sonst aber auch da keine Entzündungszeichen oder gar Schlimmeres.
Inzwischen waren auch die, völlig unauffälligen, Laborwerte da.

Ich entschied mich also, noch mal mit dem jungen Mann zu reden, ob er denn wirklich keine Durchfall hätte, schlecht war ihm auch nie gewesen hatte er gesagt, der Stuhlgang sei normal gewesen etc.. Also musste ich der Sache noch mal genauer auf den Grund gehen.

Nun traf ich ihn aber nicht in seinem Zimmer an, nur seine Angehörigen. Der Patient sei auf der Toilette.Ich ging also in die Aufnahme zurück und wartete auf seine Rückmeldung. Die lies auf sich warten.
Nach ungefähr zehn Minuten klingelte er, und ich wollte mein Gespräch starten.
Er kam mir aber zuvor.
Er bedanke sich, aber nach meiner Untersuchung mit dem ganzen Herumdrücken auf seinem Bauch scheine sich da was gelöst zu haben, auf jeden Fall hätte er ganz kräftig pupsen müssen, und ein wenig Stuhl sei auch da gewesen, und jetzt ginge es ihm doch bedeutend besser.
Ich sagte ihm, ja, eine Blinddarmentzündung sei in Anbetracht der Befunde eher unwahrscheinlich, aber wir könnte ihn gerne dabehalten zur Überwachung und um Abführmaßnahmen einzuleiten, aber er wollte lieber nach Hause gehen.
Wir haben ihm dann noch ein wenig Abführmittel gegeben und ein Klysma (benutzt Google bitte), und er zog glücklich von dannen. Mit Familie.

Wie wenig Körpergefühl haben die Leute eigentlich noch?Der war keine 25 und hat nicht mal bemerkt, das ihm nur ein FURZ quergesessen hat?
Dafür hält der seine halbe Familie vom Nachschlaf ab?
Oh man! Und dem war das nicht mal peinlich!

Naja, meine Frau sagt, ich soll mich nicht so aufregen.

Bis Denn dann, Euer Teardrop.

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Über thundla
Arzt und Querdenker.

5 Responses to Anekdote 3 – Schon wieder Stuhlgang…

  1. Marcel says:

    *lach* tja, genau, wie man heutzutage gleich die Polizei ruft, anstatt bei den zu lauten Nachbarn zu klingeln und die Kindeserziehung der Schule auf das Auge drücken will — der Trend geht halt zum Outsourcing der privaten Kernkompetenzen, wie Sozialer Interaktion und Menschenverstand. Dass Du da das Körpergefühl ausgenommen siehst, ist mir komplett unverständlich 😉

    Zynismus mal beiseite, wahrscheinlich hat Deine Frau trotzdem Recht, denn: Kann man es ändern?

    Das Zen sei mit Dir…

  2. …weißt Du eigentlich sicher, dass es nicht vielleicht sogar seine Frau war, die darauf bestanden hat, dass er ins Krankenhaus geht?

    Naja. Jedenfalls verstehe ich ja, dass Du als vermutlich stark überarbeiteter Arzt nicht mit solchen Fällen von falschem Alarm belästigt werden willst – aber verlangst Du da nicht ein bisschen viel von Deinen medizinisch ungebildeten Patienten? Ist es nicht besser, wenn jemand, der ja unzweifelhaft Beschwerden verspürt, einmal zu viel als einmal zu wenig ins Krankenhaus geht? Und woher soll eigentlich diese Fähigkeit kommen, das „Körpergefühl“ eines „quer sitzenden Furzes“ (ich weiß ja nicht, ob Du schon einmal Probleme mit wirklich üblen Blähungen hattest, aber ich weiß, dass das verdammt schmerzhaft und beängstigend sein kann) von dem „Körpergefühl“ einer ernsthaften Erkrankung wie einem Darmverschluss oder einem Blinddarmdurchbruch zu unterscheiden? Vielleicht kannst Du das ja als studierter Mediziner.

    Ich behaupte jedenfalls, dass gerade der „gesunde Menchenverstand“ einen dazu führt, im Zweifelsfall lieber ins Krankenhaus zu gehen und sich Entwarnung geben zu lassen, als die Zähne zusammen zu beißen und darauf zu hoffen, dass einem schon nichts passiert!

  3. thundla says:

    Ich stiime Dir zu, dass man im Zweifelsfalle eher mal zum Arzt gehen sollte, als ein Problem einfach zu ignorieren.
    Aber zwei Dinge:
    Erstens ist das Krankenhaus als erste Anlaufstelle für solche nicht lebensbedrohlichen Dinge der falsche ort weil am Ende zu teuer.
    Zweitens war das Problem hier einfach so schnell gelöst. Das hätte er auch selbst gekonnt, etwas auf seinem Bauch rumdrücken (ich war ja gar nicht grob oder sowas). Ich habe das als Kind noch gelernt, und ich weiß von einigen, die das auch noch kennen. Wärmflasche und Massage des bauches. Wenn es dann noch weh tut, oder Ebrechen und Durchfall dazukommen, dann ist was faul.
    Aber dem ging es gut. Lief rum, jammerte, wollte eine Rauchen etc.
    Dem ging es einfach nicht schlecht genug, um wirklich was zu haben. Und das hätte er sich eben auch selbst denken können, statt um 1 ins Krankenhaus zu marschieren. Vor allem, weil er auch gar nicht bleiben wollte. Was macht er dann bei uns?

    Man sollte auch als nicht-Mediziner doch erstmal davon ausgehen, kein schwerwiegendes Problem zu haben. Denn so geht es ungefähr 99,5% aller Menschen: Sie haben kein schwerwiegendes Problem.

    Mehr zu EHEC heute abend!

  4. atog28 says:

    CSI-Syndrom FTW

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