Sparparadoxon und Horch im Rückspiegel


Guten Tag.

Heute mal kein direkt politisches Thema. Nur eine Erkenntnis, die mir in den letzten Monaten aufgegangen ist. Dazu am Ende noch ein kleiner Rant, weil’s Spaß macht!

Es gibt ein Paradoxon, das mir erst ersichtlich geworden ist, als ich aus dem Studium raus war, und Geld verdiente. Während des Studiums war Geld eher knapp, gar nicht so sehr bei mir selbst, aber bei Kommilitonen und vor allem bei einigen Menschen im Umfeld. Ich studierte in Magdeburg, und dort, bei hoher Arbeitslosigkeit, leben viele Menschen am Minimum. Keine Rücklagen, keine Vorsorge, ein konstantes Leben von der Hand in den Mund. Am Monatsanfang kommt Geld rein, am Ende wird das letzte Bisschen noch verprasst, und dann geht es von vorne los. Die Verantwortungsvollen unter denjenigen, die auf Hilfe vom Amt angewiesen sind, bilden natürlich Rücklagen, auch da kann, in Maßen, gespart werden. Aber eben nicht so viel.
Worauf ich hinaus wollte, und deshalb habe ich da oben so weit ausgeholt:
Um richtig sparen zu können, braucht es Geld. Ja, klingt komisch, ist aber so. Denn ausreichend Geld führt zu einer gewissen Flexibilität.

Ich will das genauer ausführen: Wir reden hier nicht davon, immer alles so günstig wie möglich zu kaufen. Das kann und sollte jeder machen. Solange man dabei nicht zu große Einbußen bei der Qualität hinnehmen muss (Weichmacher im Plastik sind NIE gut, nicht einmal, wenn’s billig ist!) braucht es nicht das Markenprodukt, da reicht auch das billigere Pendant. Bei mir z.B. ist es das Toilettenpapier und die Taschentücher. Oder auch die Spülmaschinentabs, die vom Markenhersteller bis zu dreifach mehr kosten, als von z.B. der Kaufland-Eigenmarke. Da sehe ich nicht ein, für einen von mir nicht subjektiv oder objektiv messbaren Mehreffekt bis zu 200% mehr Geld auszugeben.

Nein, ich rede von Dingen, die ich gerne immer von derselben Marke kaufe (natürlich auch mal der billigen, je nachdem, was besser schmeckt). Nutella, Nudeln, Müsli, aber eben auch Putzmittel, Waschmittel o.ä.
Und die gibt es nun einmal manchmal im Sonderangebot. Ich schaue nicht jeden Tag in die Werbeheftchen, um nach Schnäppchen zu suchen, und dann die Läden abzuklappern. Da könnte man auch noch optimieren, die Zeit habe ich allerdings einfach nicht, wie viele von Euch sicher auch.
Aber ich kaufe Sonderangebote, wenn es sie gibt. Ist Nutella gerade billig, dann wird auf Vorrat gekauft. Das hält ja auch, bis die Sonne explodiert. Also kein Problem. Aber man muss das Geld dafür übrig haben. Jemand, der am Ende des Monats nie Geld auf dem Konto hat, kann sich nicht einfach mal eben 4 Gläser von einem Produkt in den Schrank stellen, das er in den nächsten 3 Monaten dann aufbrauchen wird. Leider. Denn dadurch spart man Geld. Dinge dann kaufen zu können, wenn sie tatsächlich gerade billig sind, und nicht dann, wenn man sie dringend braucht. Denn dann sind sie oft nur zum Normalpreis zu haben.
Ebenfalls gute Beispiele dafür sind Batterien, Fertiggerichte, Socken und Wäsche im Allgemeinen, aber auch Schuhe zum Beispiel. Wenn mir ein Paar gefällt, und es ist Herbst, und ich weiß, die Winterschuhe machen’s nur noch einen Winter, das schöne Paar da ist aber gerade drastisch reduziert (wahrscheinlich ein Auslaufmodell aus der Kollektion des letzten Monats und damit VÖLLIG out!), dann kann ich die heute eben kaufen, und muss nicht dafür Geld zurücklegen und die erst kaufen, wenn die Alten wirklich kaputt sind.
Finanzielle Flexibilität macht das Sparen also viel einfacher. Ich will nicht behaupten, dass mit guter Planung und Vorausdenken nicht auch Menschen mit sehr geringem Einkommen ähnlich vorgehen könnten, aber schwerer stelle ich mir das schon vor.
Wie ist da Eure Meinung?

Übrigens gilt dasselbe auch für Steuern. Um richtig Steuern sparen zu können, muss man erstmal so viel Geld verdienen, dass sich ein Steuerberater lohnt. Der kann einem dann erklären, wie man richtig schön viel Steuern sparen kann. Natürlich hat man das Geld, das man bei den Steuern spart, schon ausgegeben. Aber man hat einen Mehrwert dafür bekommen (z.B. den neuen Schreibtisch, oder Dienstwagen, oder Zweitwohnung oder was-weiß-denn-ich). Menschen mit wenig Steueraufkommen zahlen einfach das Geld, und es ist weg. Man sollte wirklich mal an diesen ganzen Steuerschlupflöchern arbeiten. Die sind so unsozial!
Aber da werde ich wohl zu späterer Zeit noch mal drauf zurückkommen.


Hier noch der Rant:
Stellt Euch vor, Ihr fahrt auf der Landstrasse. Es ist dunkel draußen. Hinter Euch kommt ein Auto näher, und Ihr bekommt ein Problem: Ihr seht nichts mehr. Weder in den Seitenspiegeln, noch im Rückspiegel. Und je näher der andere kommt (von hinten), desto schlimmer wird es, denn nicht nur könnt Ihr Euch selbst auf den Verkehrsschildern draußen via Eurem eigenen Schatten zuwinken, nein, Ihr beginnt auch, Euch in der Frontscheibe von innen zu spiegeln, da man mittlerweile im Auto Zeitung lesen kann.
Wer/was ist da hinter Euch?
.
.
.
.

So sieht's nämlich aus!

Von Innen ganz komfortabel, aber als Gegenüber...


.
.
.
Richtig!
Ein Audi! Mit Quadrupelxenonextrahalogenscheinwerfern, die vor allem eines machen:
Die Eulen in den Bäumen erschrecken.
Ich meine, es sind IMMER Audis. Was machen die da in den Werkstätten? Mehr Übersicht ist toll, aber bei denen sieht man ja bald die Strasse nicht mehr, weil die nur noch den Mond anleuchten. Und wie diese grellen Scheinwerfer erst blenden, wenn die einem entgegenkommen!
Früher gab es da jeden Winter Lichtkontrollen bei den Werkstätten, da wurde die Lichtintensität geprüft, damit man andere nicht blendet und selbst genug sieht. Da wurde die Blendkante ausgemessen. Und heute? Es scheint sich keiner mehr dafür zu interessieren. Und ich finde das sau gefährlich! Man kann es ja schlecht nachvollziehen, aber wie viele Leute sind wohl in den letzten Jahren irgendwo gegengefahren, weil ihnen kurz vorher noch ein Audi aufgegangen ist?

Naja, was soll’s. Mein Auto (kein Audi) ist anständig eingestellt.

Bis Denn dann, Euer Teardrop.


Advertisements

Über thundla
Arzt und Querdenker.

One Response to Sparparadoxon und Horch im Rückspiegel

  1. „Der Ring braucht Gold, um Gold zu hecken.“

    Alle diejenigen, die sich gegen eine „Umverteilung“ von oben nach unten aussprechen, ignorieren dabei, dass in einem sich selbst überlassenen Wirtschaftssystem ganz von alleine die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. „Power begets Power“, um eine Magickarte zu zitieren.

    Und eine andere grundlegende Wahrheit wird auch viel zu selten thematisiert: Arme Menschen – und dabei insbesondere auch Hartz-4-Empfänger – GEBEN IHR GELD AUS! Sicher, es sind gewiss auch einige dabei, die dieses in Geld und Zigaretten investieren, wie Sarrazin einst so medienwirksam anmerkte, als er noch in erster Linie gegen Arbeitslose anstatt gegen Ausländer wetterte. Aber SIE GEBEN ES EBEN AUS.

    Wenn man jetzt darüber nachdenkt, mit welcher Argumentation in der Wirtschaftskrise jenes Milliarden-Konjunkturprogramm für die Autoindustrie ins Leben gerufen wurde und dann vergleicht, wie rasch der Staat aus „Sparzwängen“ andererseits immer dabei ist, bei denen kürzen zu wollen, die letztlich das wichtigste Konjunktorprogramm des Staates darstellen, dann stößt man rasch darauf, wie verlogen und gewissenlos solche Sparpolitik doch ist!

    Nur Reiche können es sich leisten, im größeren Maßstab zu sparen / Rücklagen zu bilden. Damit die Wirtschaft floriert, muss Geld aber zirkulieren, muss ausgegeben werden. Die Binnennachfrage ist der wichtigste Konjunktutmotor! Das ist gerade im Zeitalter der Globalisierung besonders wahr: Unsere achso großartigen Exportüberschüsse sind die Handelsdefizite irgendwelcher anderer Staaten, deren Krisen mit ein wenig Verzögerung wieder zu uns zurück durchschlagen.

    Privates Sparen schadet der Wirtschaft. Deswegen ist auch jedes Zurückfahren an sozialer Sicherheit, welches die Bürger dazu zwingt, private Vorsorge zu treffen, trotz der unmittelbaren Einsparungen im Staatshaushalt schädlich für die Wirtschaft. Und deswegen ist nur eine Politik der konstanten „Umverteilung“ – eigentlich eher „Zurückverteilung“ – von oben nach unten wirklich wirtschaftsfreundlich, um gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Reichen weniger Rücklagen ansparen und die Armen mehr Geld zum Ausgeben haben – ganz unabhängig von jeder Argumentation, die auf sozialer Gerechtigkeit beruht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: