Krankenversicherung 2 – Teil 2


Hier der zweite Teil, damit das Ganze lesbarer bleibt:

(Den ersten Teil findet Ihr hier.)

Dazu gibt es zwei Ansätze:
Ad 1: Abschaffung der gesetzlichen Krankenversicherung.
Jeder muss sich selbst privat versichern. Dazu bedarf es natürlich, von Seiten der Politik, starker und klarer (hier dürfte das Problem liegen) Regularien:

  • 1. Die Kosten im Alter dürfen nicht so sehr steigen, dass die Menschen an den Beiträgen verarmen, oder sie, Gott bewahre, nicht mehr zahlen können.
  • 2. Es dürfen keine exorbitanten Preissteigerungen folgen, sobald chronische Krankheiten festgestellt wurden.
  • 3. Der Staat muss natürlich für sozial Schwache die Kosten übernehmen.
  • 4. Es müssen klare Pakete (wie bisher auch) geschnürt werden, was denn in einer Basisversorgung enthalten sein muss. Im Prinzip kein Problem: Wer auf dem deutschen Markt private Krankenversicherungen verkaufen will, muss ein Basispaket (das im Prinzip die jetzige GKV beinhaltet) zum Festpreis anbieten, zu dem die Patienten dann Zusätze (Chefbehandlung, Einzelzimmer, goldene Wasserhähne etc.) erwerben können.

Vorteile dieses Systems: Echte Konkurrenz unter den Kassen, die alle an Gewinnoptimierung interessiert sind – es werden die Verwaltungskosten klein gehalten! Zusätzlich würde für die Versicherten angespart, statt immer nur Jahresweise aus einem frischen Topf auszubezahlen. Auf diese Weise findet eine Vermögensbildung statt, die die Beiträge im Endeffekt niedrig halten könnte.
Die Nachteile sind klar: Der Verbraucher steht einer Vielzahl von Auswahlmöglichkeiten gegenüber, und Betrügereien ist Tür und Tor geöffnet. Zusätzlich dürfte eine solche private Versicherungsfirma auch nicht pleite gehen, und ob man wirklich Preissteigerungen ausreichend begrenzen kann (im privaten Sektor wohlgemerkt) halte ich für unwahrscheinlich!
Also der zweite Ansatz:
Alle Menschen müssen sich gesetzlich versichern. ALLE. Auch Beamte, auch Politiker, auch Selbstständige. Eben alle. Auf diese Weise haben wir wieder ein funktionierendes solidarisches Gefüge, ein Sozialsystem, das diesen Namen auch verdient. Der Staat müsste weiter für sozial Schwache einzahlen, aber die Hauptlast würde von eben jenen getragen, die mehr Geld verdienen. Und natürlich würden erst mal einige deutlich stärker belastet, als sie das bisher gewöhnt sind. Aber am Ende werden alle von einem dann überlebensfähigen System profitieren.

  • Es gibt hier ein paar außerordentliche Vorteile: Wir sprachen in den Kommentaren zum Vorgängereintrag schon darüber: Die Krankenkassen sterben, weil sie sich zu wettbewerbsfähigen Einheiten zusammenfassen müssen. Nur viele Kunden machen eine Krankenkasse tragbar. Das Problem wäre dann ja auch gelöst! Es wären wohl genug Kunden für alle da!

Aside:
Übrigens ist das KV-Sterben gewollt. Denn schließlich wurde vor einigen Jahren der Markt erst für regionale Betriebskrankenkassen und ähnliche Gebilde geöffnet. Und seitdem sind sie eben Fressen für die Großen, bereit zur Übernahme…
Aside Ende.

  • Auch ein Vorteil: Da man dann wirklich für alle verhandeln kann, sind auch die Vorgaben für die Pharmaindustrie mit mehr Nachdruck versehen. Es gibt (fast) kein Extrageld mehr von der PKV, also muss man sich wohl mit dem einzigen Kunden auf einen Preis einigen. „Wir zahlen das einfach nicht, dann verkauft es doch woanders!“ Wird dann zu einem echten Argument!
  • Und der wichtigste Vorteil: Stark gesunkene Beiträge!

Ich will hier noch mal etwas weiter ausholen. Unter dem folgenden Link findet Ihr ein PDF mit Tabellen, aus denen folgendes ersichtlich ist: Gesundheitskosten

In den letzten 20-30 Jahren pendelten die Kosten für unsere Gesundheitsausgaben immer um die 10-11% des BIP (Bruttoinlandsprodukt). Nun ist das BIP nicht dasselbe wie das BVE (Bruttovolkseinkommen), das das alte BSP (Bruttosozialprodukt) abgelöst hat, aber das BIP ist zumindest eine direkte Vorstufe. Man kann also extrapolieren:
10-11% des Einkommens aller Bundesbürger würde die Kosten des gesamten Gesundheitswesens (und das inkludiert, wenn ich nicht völlig daneben liege, eben alle Kosten: Zahnersatz, Chefarztbehandlung, Akkupunktur, ja sogar Pflaster aus der Apotheke) decken.
Aber das will man ja eben gar nicht. Es sollen zwar alle gleichermaßen in einer öffentlichen Krankenversicherung zusammengefasst sein, aber, mal abgesehen vom Zahnersatz, wir wollen doch weiterhin nicht, dass einfach alles bezahlt wird. Medikamente ohne Verschreibungspflicht, Fangopackungen, Akkupunktur, Chefarztbehandlung etc., all das muss gar nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten sein.
Denn das ist für den normalen Bürger gar nicht notwendig, bisher sind wir auch mit der „normalen“ gesetzlichen Versicherung ausgekommen. Und das wollen wir weiterhin.
Wer alle diese Extras haben will, der kann sich gerne weiterhin privat versichern. Zusätzlich, versteht sich. So wie das heute auch schon geht. Wer goldene Wasserhähne und Seidenbettwäsche haben will, der macht sich eine entsprechende Zusatzversicherung, die Krankenhäuser werden dann schon für diese Kunden aufrüsten, wenn der Preis stimmt. Alles kein Problem. Wie bisher muss ein Konsens gefunden werden, in Zusammenarbeit zwischen Experten und Politik, welche Leistungen essentiell sind und deshalb von der gesetzlichen Versicherung bezahlt werden müssen, und welche nicht. Für alles Weitere dürfen dann private Anbieter Zusatzversicherungen verkaufen.
Auf diese Art und Weise werden am Ende für die Mitglieder (in dem Fall alle) die Beiträge drastisch sinken (zumindest für die bisher gesetzlich Versicherten). Denn am Ende sind in den oben beschriebenen 11% ja viele Kosten enthalten, die gar nicht bei der GKV anfallen, weshalb am Ende auch nicht 11% Beitrag von jedem fällig wird.
Ich kann das nicht durchrechnen. Ob es dann 8% oder 7% oder 9% sind, ich weiß es einfach nicht. Aber das ist ja auch nicht relevant.
Am System müsste übrigens noch eine letzte Änderung zusätzlich vorgenommen werden: Es müsste einen Pool geben, in den das Geld fließt, das am Ende eines Jahres übrig bleibt (und man kann ja am Anfang mit Überschuss planen). Dieses Geld sollte als Rücklage angelegt werden, um einen Puffer zu schaffen, damit nicht jeder Euro, der mal zu viel oder zu wenig in der Kasse ist, gleich in den Nachrichten steht. Wie man das genau regelt, überlasse ich dann allerdings wirklich den Experten. Im Zweifelsfalle kommt man da mit Europäischem Recht in Konflikt…

Einige werden jetzt sagen, Moment mal, dann wird das doch aber für die bisher privat versicherten teurer. Denn die zahlen heutzutage keine 8% ihres Einkommens. Richtig.
Für die wird es teurer. Aber auch nur für die. Und mal ehrlich: Wenn sich bei mir einer beschwert, er müsse dann ja in Zukunft 800 Euro im Monat an die Krankenversicherung zahlen, und das sei doch unfair, ja, den lache ich dann kräftig aus.
Denn, ich sagte es schon einmal: Prozente sind immer fair!
Wer viel verdient kann im solidarischen System auch viel abgeben, ja muss viel abgeben. Es ist ja nicht so, dass er nach den 800 Euro am Hungertuch nagen würde.
Da ist die Kopfpauschale, von der im Moment die Rede ist (naja, nicht direkt. Aber das Prinizp ist dasselbe), doch viel unfairer. Schließlich kostet die für jeden gleich viel, und am Ende sind die Prozente unterschiedlich. Beim Reichen Banker gerade mal Promille, beim kleinen Angestellten aber schon ganze Prozente!

Ich fasse am Ende noch einmal kurz zusammen:
Wir brauchen ein neues Gesundheitssystem. Dazu muss man das Rad nicht neu erfinden. Wir müssen nur endlich alle Bürger in einen gemeinsamen Topf zahlen lassen, eine gemeinsame Krankenversicherung, die die Basisversorgung, wie bisher auch, sicherstellt. Dadurch wird ein Abwandern der Mehreinzahler verhindert und die Zukunft des Gesundheitswesens gesichert. Zusätzlich werden die Haushalte entlastet durch Abbau von Bürokratie, die Familien durch sinkende Beiträge und die Arbeitgeber ebenso.
Private Zusatzversicherungen sind erlaubt, und erfolgen auf freiwilliger Basis auf dem freien, aber weiterhin regulierten Markt.

Ich hoffe, ich konnte meinen Standpunkt in dieser etwas komplizierten und zugegebenermaßen langen Angelegenheit klar darlegen. Wer noch Fragen hat, immer in die Kommentare damit. Ich werde sobald wie möglich darauf eingehen.

Bis Denn dann, Euer Teardrop.


P.S: Ich werde irgendwann noch mal was zur Bedarfsplanung und zum Hausarzt- und Landarztproblem schreiben. Bis dahin kann es aber doch noch etwas dauern.

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Über thundla
Arzt und Querdenker.

2 Responses to Krankenversicherung 2 – Teil 2

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